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Stadtsymbole und Denkmäler

Der Uhrturm von Gabrovo – der Wolkenkratzer der Wiedergeburt

Der Uhrenturm von Gabrovo ist nach den Türmen in Botevgrad und Bansko der höchste in Bulgarien.

Architektonisch gehört Der Turm zum sogenannten Tryavna-Typ. Die Streckung der Proportionen der Einzelteile stellt jedoch ein ungewöhnliches Phänomen in der Baupraxis der Wiedergeburt dar. Bei seiner Errichtung ragte der 27,70 Meter hohe Turm deutlich über das niedrig gebaute Zentrum von Gabrovo hinaus. Reisende, die in die Siedlung kamen, hörten das Läuten der Glocken schon von weitem.

Uhrentürme tauchten in bulgarischen Siedlungen bereits im 17. Jahrhundert auf, und im 18. Jahrhundert waren sie ein integraler Bestandteil des zentralen Raums.

Nach dem Brand von Gabrovo im Jahre 1798 durch die Truppen von Kapudan Hussein Pascha blieben nur zwei Gebäude: die alte Steinbrücke (die Konaschki Brücke von 1749) und der Uhrenturm.

Laut dem Historiographen Dr. Peter Tsonchev war der Turm aus dem 17. Jahrhundert wahrscheinlich nicht sehr hoch. Ein Beweis für die Existenz eines Uhrenturms in Gabrovo im 18. Jahrhundert ist ein Notizbuch von Hadzhi Hristo Rachkov, der 1799 sorgfältig darin vermerkte, dass Gabrovo in fünf Stadtteile unterteilt war, von denen einer „Sahat“ genannt wurde, d. h. der Stadtteil mit der Uhr.

1828 beschlossen die Einwohner von Gabrovo, einen neuen Uhrenturm zu bauen. Um einen unlauteren Wettbewerb in den Handwerksbetrieben und Läden zu vermeiden, wurde der Standort des Uhrenturms so gewählt, dass er von der Hauptstraße (der heutigen Radetska Straße) aus zu sehen und zu hören war, damit die Handwerker und Kaufleute ihre Fensterläden unter den Schlägen der Uhr gleichzeitig heben und senken konnten.

Im selben Jahr einigten sich drei reiche Kaufmänner und der Steuereintreiber Georgi mit dem Türken Hafuz Aga aus Kazanlak auf ein Uhrwerk im Wert von 2 150 Groschen. Der Bau wurde jedoch wegen des Russisch-Türkischen Krieges 1828-1829 um mehrere Jahre verschoben. 1835 wurde der Turm mit den Mitteln der Gabrovoer Freibauern und der freiwilligen Arbeit der Gabrovoer Bauern fertiggestellt.

Wie die bulgarische Inschrift an der Westwand besagt – „1835, 11. März Wurde ein Stolp [Turm] dank der harten Arbeit und des starken Willens der Einwohner von Gabrovo gebaut“. Der Franzose Ami Boué war der erste Reisende, der die Uhr der Stadt erwähnte; 1838 schrieb er über die zentrale „große, sehr lange und schlecht gepflasterte Straße“ von Gabrovo schrieb, in deren Mitte sich „eine Art Platz mit vielen Geschäften und einem Uhrenturm“ befindet. 1871 beschrieb der Gabrovoer Lehrer Ilija Hristovich den Uhrenturm genauer, indem er darauf hinwies, dass sich „im Zentrum der Stadt, wie eine Art Wächter, der Stadtturm erhebt“.

Die Turmuhrglocke wurde aus Wien geliefert, wie ihre lateinische Inschrift – „Mich goss Johann Georg Fielgrader in Wien anno 1792“- zuverlässig beweist. In seinem Notizbuch schreibt der Kaufmann Rachko Tsankov folgendes: “Am 01. Juli 1835 brachten sie den Uhrenturm und hingen den Chanat [Glocke] auf“. Die Uhr hatte bis 1901-1902 kein Zifferblatt und hielt die Zeit nur durch das Schlagen der Glocke fest. Erst in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts fertigte der Tischler Mincho Ivanov Kanev auf Anweisung des armenischen Uhrmachers Michail Artin Boyadzhiyan einen zusätzlichen Mechanismus für die Bewegung der Zeiger auf dem Ziffernblatt an, und der Schmied Matyo Ivanov fertigte die Eisenteile des neuen Mechanismus und der Zeiger. Der Uhrenturm von Gabrovo – diese vertikale Dominanz über die städtische Umgebung – überwachte die Arbeit der Handwerker und zeigte ihre wachsende wirtschaftliche Macht im zukünftigen industriellen Manchester Bulgariens. Heute gehört es zu den wenigen originellen Zeugen unserer vergangenen Zeit.